Einfach & machen

Auch das längste Gedicht beginnt immer mit dem ersten Vers...

Neues Leben

Es war dieser ganz besond’re Tag
an dem uns beiden soviel lag.
Wir waren brutal aufgeregt,
die Köpfe wild – wie leer gefegt.
Aber es beschränkte sich im Grunde
vor allem auf die letzte Stunde.
Die war gar nicht mal so hektisch,
doch die Stimmung war elektrisch.
Meine Augen durften noch nicht schauen
woran ich mich später sollte erst erbauen.

Kurz vor Drei klopft’s an der Tür,
bis hierhin Pflicht – jetzt kommt die Kür.
Ich muss los, sie bleibt zurück,
die Premiere naht – von uns’rem großen Stück.
Ich geh schnell, die letzten Schritte zieh’n sich hin,
bis ich dann oben angekommen bin.
Wie in Hollywood am großen Movie-Set,
auf des Insels Haupt steht hier ein Himmelbett.
Und ich begreif’ – während ich aufs Meer rausschau’ –
erst langsam – ich wart’ auf meine künft’ge Frau…

Ich sauge tief die Brise ein
und fühle mich noch mal allein.
Doch bin ich nicht so tief beklommen,
denn ich weiß ja – sie wird kommen.
Nach dem Gedanken zähl ich noch bis drei,
atme durch – dann bin ich frei.
Ich wart’ auf das, was mich zufrieden macht,
das mit mir weint und mit mir lacht.
Ich warte auf das fehlende Stück –
ich warte auf mein großes Glück.

Mein Herz ist weit und etwas schwer,
wann kommt sie nur, ich brauch’ sie sehr!
Ich hoffe nur, dass ich nicht patze,
glänzt in der Sonne meine zarte Glatze?
Kann sie ihren Strauss wohl halten?
Gibt es warmen Schampus oder kalten?
Ist die Torte wirklich lecker?
Taugt der was, der Südseebäcker?
Auf des Verstandes dicke Trosse
hageln Fragen wie Geschosse…

Eben meinte man, es geht nicht greller,
dann wird die Szene doch noch heller!
Hinter einer Palme grünem Ast,
kommt ganz langsam ohne Hast,
das Mädchen, diese Frau hervor,
sie schreitet nicht, sie steigt empor.
Mit einem Lächeln nicht von dieser Welt
ist es um mein Herz bestellt.

Sie hakt sich ein, wir schweben,
entgegen uns’rem neuen Leben…

Die Insel

Die Insel ist sehr schön und stolz darauf.
Grün ist sie – und steil ragt sie auf.
Vor ihr liegt türkises Meer,
das betont die Schönheit wirklich sehr.
An einer Seite bricht sich blendend weiße Gischt
die sich hübsch mit blau und grün vermischt.

Menschen schauen oft und viel,
erfreuen sich an diesem Spiel.
Licht und Schatten huschen über ihren Rücken,
sorgen für noch mehr Entzücken.
Und weil man sie so sehr verehrt
Wurde sie zum Schutzgebiet erklärt.

Vom Lob kann nicht genug sie kriegen,
der Ruhm ist ihr zu Kopf gestiegen.
Die anderen Inseln, pah – na und?
Sie drängt sich in den Vordergrund.
Und aalt sich voller Wonne
in der hellen Südseesonne.

Doch wie immer kommt es auf den Winkel an,
mit dem man auf die Dinge blicken kann.
Denn unter den genannten Schwesterinseln hier
ist sie von der Größe nur – die Nummer vier.

Kiel oben

Es passiert ja mal gelegentlich,
wenn man strauchelt, fängt man sich.
Und nicht alles Gute kommt von oben,
trifft’s einen nicht, muss man das Schicksal loben:
Vorm Regenguss nach Haus gekommen,
vom Kuchen etwas abbekommen,
im Lotto immerhin Drei richtig,
positives Denken ist so wichtig!

Wenn einem also soviel Gutes widerfährt,
ums Unglück man sich gar nicht schert,
schleicht leise sich heran
der alte Kumpel Schlendrian.
So lernte ich zu meinem Glück
das Segeln – vor und auch zurück.
Und brauste schnell dann voller Stolz
zurück zum Steg, der war aus Holz,
um meine Frau dort abzuholen,
mit geschwellter Brust – sag ich ganz unverholen.
Es war so toll! Dann krachte Wind ins Segel,
und wir machten es wie alle Kegel.

Das kommt nun von dem ganzen Loben,
ich weiß wieder mal wie’s ist – Kiel oben…

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